1985
Klaus Dede: “ … mein Oldenburg!“ : eine Collage. Verlag: Klaus Dede, Oldenburg 1987, S. 169
Das Nachwort im Buch ist vom September 1986. Das Foto wird also aus dem Jahr 1985 oder früher sein. Fredo Behrens
wer kann uns den Flyer zur Verfügung stellen?
———-
1986
Rund 120
bei „Marsch
der Juden“
PS Oldenburg. Rund 120 Teilnehmer hatte der 5. Oldenburger „Juden-Marsch“ gestern vom Pferdemarkt zum Landgerichtsgefängnis. Nach Angaben der Veranstalter nahmen nicht wenige Jugendliche an der Demonstration teil. Der Marsch wird seit fünf Jahren zur Erinnerung an das erste große Oldenburger Judenpogrom unter der NS-Herrschaft am 10. November 1938 veranstaltet. Die historische Verfolgungs- und Ausgrenzungsaktion, bei der die Oldenburger jüdischen Bürger aus ihren Häusern geholt und zum Gefängnis getrieben wurden; bildete zusammen mit gleichartigen Aktionen im gesamten damaligen Reichsgebiet einen ersten demonstrativen Höhepunkt der NS-„Judenpolitik“. Der spätere Judenmord fand hier eine Vorbereitung.
Rund 120 bei „Marsch der Juden“
Quelle: Nordwest-Zeitung, 11.11.1986

Montag wieder „Judengang“
Quelle: Nordwest-Zeitung, 6.11.1986
———-
1987
Ein Augenzeuge erzählt
In ein paar Minuten waren wir am Pferdemarkt, wo ich bereits die ganze Gemeinde versammelt angetroffen habe. Die Frauen und Kinder standen im abseits, waren also schon ausrangiert und sollten nach Hause gehen. Alle waren nur notdürftig angekleidet, meistens im Nachthemd und mit Oberkleidern übergeworfen. Sie erzählten mir dort, die Synagoge und die Schulgebäude wären nachts niedergebrannt worden. Der Lehrer Alexander Freund und seine Frau wären nachts um 1.30 Uhr aus dem brennenden Haus geflüchtet. Sie sollten womöglich verbrannt oder totgeschlagen werden, aber wie durch ein Wunder sind sie im Dunkeln in der draußen stehenden Menge untergetaucht, die alle sehr interessiert zusahen, wie auf eine Frau dreingeschlagen wurde, und sie in Todesangst schrie: „Ich bin keine Jü- din!“ Es war nämlich die Hauswärterin Frau Wulf. Sie hat die Frau und Herrn Freund zugedachten Schläge bekommen, als sie aus dem brennenden Haus flüchtete. Sie ließen erst von ihr ab, als sie erkannt wurde. Mit den Frauen und Kindern wurden auch einige Männer ausrangiert, und zwar die, die als polnische Staatsangehörige angesehen wurden. Alle anderen, etwa 40 Männer, darunter der 72-jährige getaufte Jude Leopold Hahlo, von evangelischer Religion, wurden am 10. November an der noch brennenden Synagoge vorbeigeführt. Von dort ging es durch die belebten Geschäftsstraßen – wie Haarenstraße – Lange Straße – Schloßplatz – Damm – zum Gefängnis. Überall stand Pöbel herum, aber es ging verhältnismäßig ruhig zu. Nur halbwüchsige Schuljungen, die infolge der Judenaktion anscheinend schulfrei hatten, machten sich über uns lustig und überboten sich in faulen Witzen. Gegen 10 Uhr vormittags trafen wir im Gefängnis ein. Quelle: Heinrich Hirschberg, Meine letzten Tage in Deutschland, Oldenburger Jahrbuch 85 (1985), S. 13 f.
Flyer als pdf innen
Flyer als pdf aussen
Erinnerung an den Leidensweg Oldenburger Juden.
Quelle: Nordwest-Zeitung, 7.11.1987
Artikel als
pdf








