1982
„Aufruf
zum Gedächtnisgang am 10. November
Am 10. November 1938 trieben oldenburgische Angehörige der SA und SS deutsche Mitbürger jüdischer Religion und solche, die von den Nazis in dieser Stadt dazu gerechnet wurden, durch die Straßen der Stadt zum Landgerichtsgefängnis, von wo aus die meisten von ihnen den Leidensweg in die deutschen Vernichtungslager im Osten antraten.
Am 10. November 1918 konstituierte sich das deutsche Volk als eine demokratische Nation, die mit ihren Nachbarn in Frieden und Freundschaft leben wollte.
Der 10. November ist daher für uns ein Tag der Mahnung und Hoffnung.
Ein Tag der Mahnung, weil das an den Juden begangene Verbrechen uns zeigt, daß der Rassismus eines der größten Übel unserer Zeit ist,
das zugleich unmittelbar den Frieden gefährdet. Es wird nicht dadurch geringer, daß zugleich mit den Juden auch andere verfolgt wurden
– wir erinnern an die Zigeuner – und daß der Rassismus heute noch offizielle Politik in Südafrika ist.
Ein Tag der Hoffnung, weil er nicht nur die Demokratie brachte, sondern auch die reale Möglichkeit, einen auf der Wahrung der Menschenrechte gegründeten Frieden zu schaffen. Wenn dieser Versuch, nicht zuletzt durch die Schuld deutscher Regierungen, auch letztlich gescheitert ist, so wirkte die damals geweckte Hoffnung doch bis heute fort, ja, sie wird auch in der Zukunft unser Handeln leiten.
Wir wollen den 10. November begehen, indem wir den Weg, den die Juden im Jahre 1938 durch die Stadt getrieben wurden, nachgehen und uns dabei darauf besinnen, daß
- dauerhafter Friede nur auf der Wahrung der Menschenrechte gegründet sein kann;
- die Menschenrechte ein allgemeines Prinzip sind, deren Verletzung, wo immer sie geschehe, uns unmittelbar angeht;
- die Realisierung der Menschenrechte bei uns beginnt.
Wir verbinden unsere Erinnerung an das Judenpogrom von 1938 in Oldenburg mit unserem Protest gegen neuerliche Diffamierungen von Ausländern
und Minderheiten in unserem Staat. Die Erinnerung an das Judenpogrom sehen wir weiter als Verpflichtung an, jedem Abbau demokratischer Rechte und allen antidemokratischen Tendenzen hierzulande entgegenzutreten.
‚Denn ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der Herr, Gedanken des Friedens und nicht des Leides, daß ich euch gebe Zukunft und Hoffnung.‘ (Jeremia 29,11)
Manfred Reck Klaus Dede
V.i. S. d. PGes: K. Dede, Dersagauweg 37 2900 Oldenburg“
Etwa 30 Teilnehmer
Eine Anmerkung zur Bezeichnung des Gangs
So wie das gemeinte Ereignis – Pogromnacht, `Reichspogromnacht´, Novemberpogrome, `Reichskristallnacht´, Kristallnacht, Judenaktion – hat auch der Erinnerungsgang eine verwirrende Geschichte der Bezeichnungen: Bußgang, Gedächtnisgang, Judengang, Weg der Juden, Marsch der Juden, Judenmarsch, Juden-Marsch, Zug der Juden, Schweigegang, Schweigemarsch, Erinnerungsmarsch und schließlich Erinnerungsgang. Viele haben ihren guten Sinn, einige sind problematisch – „Erinnerungsgang“ erscheint uns angemessen.
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1983
„Schweigemarsch am Donnerstag
dei- Oldenburg. Einen Schweigemarsch zum Gedenken an die sogenannte Reichskristallnacht von 1938 veranstaltet die Zentrale für evangelische Jugendarbeit am Donnerstag, 10. November. Am 10. November 1918 konstituierte sich das deutsche Volk als eine demokratische Nation, am 10. November 1938 trieben oldenburgische Angehörige der SS und der SA jüdische Bürger durch die Straßen der Stadt zum Landgerichtsgefängnis, von wo aus die Juden in Vernichtungslager deportiert wurden. Verbunden mit der Erinnerung an das Judenpogrom von 1938 ist für die Veranstalter der „Protest gegen neuerliche Diffamierungen von Ausländern und Minderheiten in unserem Staat“. Der Marsch beginnt um 15 Uhr auf dem Pferdemarkt (Treffen 14:30 Uhr) und führt über Peterstraße, Friedensplatz, Haarenstraße, Lange Straße, Schloßplatz und Elisabethstraße zum Landgericht. Anschließend ist um 16:30 Uhr in der Kapelle der Lambertikirche eine Andacht. Am Mittwoch, 9. November, 18 Uhr, findet in der Aula der Graf-Anton-Günther-Schule eine Informationsveranstaltung zur „Reichskristallnacht in Oldenburg statt.“
Quelle: Nordwest-Zeitung 7.11.1983
„Zum Gedenken an Oldenburger Juden, die am 10. November 1938 von den Nazis durch die Stadt zum Landgerichtsgefängnis getrieben worden waren, von wo aus sie anschließend ins Konzentrationslager Sachsenhausen deportiert wurden, veranstalteten das Zentrum für evangelische Jugendarbeit und der Arbeitskreis Friedenswoche einen Schweigemarsch. Er führte gestern entlang des Weges, den die Juden vor 45 Jahren gehen mußten: Vom Pferdemarkt durch die Innenstadt bis zum Landgerichtsgefängnis. Am Synagogen-Gedenkstein in der Peterstraße (Bild) gedachten die etwa 150 Teilnehmer des Schweigemarsches der Deportation der Juden und der Zerstörung der Synagoge.“
Quelle: Nordwest-Zeitung 11.11.1983
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1984
Auftakt mit Schweigemarsch am Sonnabend
bg Oldenburg. Die diesjährige „Friedenswoche“ in Oldenburg vom 10. bis 21. November beginnt am Sonnabend, 10. November, mit dem „Judengang“, einem Schweigemarsch zur Erinnerung an die Judenverschleppung am 10. November 1938 in Oldenburg. Treffen ist um 11 Uhr an der ehemaligen Polizeikaserne am Pferdemarkt; der Zug geht zum Landgerichtsgefängnis an der Gerichtstraße. Um 12 Uhr ist eine Andacht in der Lamberti-Kapelle. Die Judenverfolgung steht auch im Mittelpunkt der Fahrradrundfahrt am Sonntag, 18. November, zu Stellen, die an die Herrschaft des Faschismus erinnern. Abfahrt ist um 11 Uhr Gaststraße, Ecke Theaterwall.
Träger der „Friedensdekade“ ist der „Arbeitskreis Friedenswoche“. Besondere Andachten, Friedensgottsdienste und Vorträge finden in der Nikolaikirche, der Ansgarikirche, St. Stephanus Windthorststraße, Versöhnungskirche, Johanneskirche, Dreifaltigkeitskirche und den Gemeindehäusern Bloherfelder Straße 170 und Hartenkamp 18 statt. Die Vorträge Beginn jeweils 20 Uhr im Gemeindehaus Wilhelmstraße 27 – umfassen die Themen „Südafrika – Frieden und Gerechtigkeit“ (Montag, 12. 11.), „Folgen eines Atomkrieges für das Klima“ (Dienstag, 13. 11.), „Hunger durch Aufrüstung?“ (Mittwoch. 14. 11.) und „Zimbabwe nach der Befreiung“( Dienstag, 20. 11.). Zum Kulturprogramm gehört ein Abend zum „Kennenlernen und Fragen“ (Freitag, 16. 11., 20 Uhr, Gemeindehaus St. Stephanus Windthorststraße 39), Filme und Mitmachtheater. Den Abschluß der „Friedenswoche“ bildet ein Familiennachmittag in der Evangelischen Familienbildungsstätte am Mittwoch, 21. November, von 15 bis 18 Uhr.
Quelle: Nordwest-Zeitung, 7.11.1984

